Forschungsprojekt: Reise nach México und in die USA

 

 

[8.2.2016] Vom 25. Januar bis zum 6. Februar 2016 unternahmen Dr. Bernd Beermann OFMCap (Kapuzinerkloster Münster), Prof. Dr. Thomas Dienberg OFMCap (PTH Münster), Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP (IMDC Berlin / PTH Münster), Prof. Dr. Ulrich Engel OP (IMDC Berlin / PTH Münster) und Bernhard Kohl OP, Dipl.-Theol. (IMDC Berlin) eine Forschungsreise, die sie nach México und in die USA (Kalifornien) führte. Im Rahmen des aktuellen, vom Institut M.-Dominique Chenu Berlin (Dominikaner) und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster (Kapuziner) gemeinsam durchgeführten Forschungsprojekts zum Thema Gemeinschaft und Individualisierung. Was hält Gesellschaft, Kirche und Orden zusammen?“ (2014-2016) besuchte das Team u.a. die Universidad Iberoamericana Santa Fé, México D.F., die Universidad Iberoamericana Tijuana, die nordöstlich gelegene mexikanische Diözese Saltillo, die Franciscan School of Theology, Ocean Side, San Diego, und die University of San Diego. Einen Schwerpunkt der Studien und Diskussionen markierte der Grenzzaun zwischen México und den USA.

Im Rahmen der Catedra Kino in Tijuana diskutierte Bernhard Kohl mit dem Theologen Prof. Dr. h.c. Orlando Espin, PhD (University of San Diego) und dem US-amerikanisch-mexikanischen Theologen Prof. Dr. Angel Méndez Montoya OP (Universidad Iberoamericana Santa Fé) zum Thema Migration. Der ein- bzw. ausschließende Charakter der Demarkationslinie macht diese – so die Überlegung im Vorfeld der Forschungsreise, zu einem „locus theologicus“ (theologischen Ort). An der Grenze – ein „Zeichen der Zeit“, das es im Licht des Evangelium theologisch zu deuten gilt (vgl. Vaticanum II, Gaudium et spes, 4) wird über Leben und Tod, über communitas (Gemeinschaft) oder Exklusion entschieden. Während Espin Nationalstaatlichkeit und Grenzregime grundsätzlich in Frage stellte, plädierte Kohl im Anschluss an Derrida für eine Praxis der Gastfreundschaft gegenüber der absoluten Andersheit der Anderen. Méndez Montoya wiederum forderte neue, auf Inklusion gerichtete eucharistische Praktiken ein; er tat dies vor dem Hintergrund der massiven Migration der internationalen Lebensmittelproduktion von México in die USA. In der „Casa del Migrantes“, einer Einrichtung der Diözese Saltillo, konnten wir uns vor Ort in Gesprächen mit Betroffenen aus Mittelamerika (Honduras, Guatemala, El Salvador, Nicaragua u.a.) sowie mit Mitarbeiter/-innen der Einrichtung über die Situation der Migrant/-innen auf ihrem gefahrvollen Weg in die USA überzeugen. Über die politischen Hintergründe informierten uns die Verantwortliche der Menschenrechts-Kommission FUNDEC des Bistums, Blanca Martínez, und einige ihrer sehr engagierten ehrenamtlichen Mitstreiter/-innen. Dass für die Menschenrechte auch öffentlich Stellung bezogen werden muss, zeigte der Bischof von Saltillo, Don Raul Vera López OP, am Sonntag in seiner Predigt. Im Blick auf seine deutlichen Worte zum Thema Arbeitslosigkeit wundert es letztlich kaum, dass Sonntag für Sonntag TV-Sender, Radiostationen und die Printmedien ihre Vertreter/-innen in die Messe entsenden und dass Don Raul nach der Messe zur Pressekonferenz in die Sakristei einlädt. Vor dem Gottesdienst hatte Bischof Vera die deutschen Dominikaner und Kapuziner zum Frühstück empfangen und ihnen u.a. seine Initiative für eine neue mexikanische Verfassung vorgestellt. Diese soll – auch das gehört zum Thema „Gemeinschaft“, der weitverbreiteten Korruption im Lande Einhalt gebieten und vor allem die einfachen und armen Menschen am zivilgesellschaftlichen Prozess beteiligen.  

Auch den Migrant/-innen, denen es gelingt, in die USA zu gelangen, erwartet dort nicht das Paradies. Illegal und oftmals am Rande des Existenzminimums lebend, finanziell der Familie „zu Hause“ verpflichtet, haben sie Polizei, Migrationsbehörden und wirtschaftliche Ausbeutung zu fürchten. Zugleich verändern sie die Kirchen; nicht zuletzt die katholische Kirche in den südlichen Grenzstaaten des Landes wandelt sich zunehmend mehr hin in Richtung einer hispanoamerikanischen Gemeinschaft. Über diese Entwicklung und ihren Einfluss auf das Theologietreiben (im Sinne einer US-amerikanischen Latino-Theologie) konnte die deutsche Delegation in Ocean Side (bei San Diego) mit Professoren der Franciscan School of Theology und in der Stadt selbst der University of San Diego ins Gespräch kommen. Diese versuchen auf fachlich ganz unterschiedliche Weise (pastoral-/theologisch, philosophisch, ethnologisch, ökonomisch, kulturwissenschaftlich etc.), die Grenzerfahrungen ihrer Studierenden in das Curriculum der verschiedenen Studiengänge und Spezialstudien einzubauen. Ziel der Arbeit im Zusammenspiel von wissenschaftlicher Reflexion und konkreten Praxiserfahrungen vor Ort ist es, Community Building zu ermöglichen. Hierin sahen einige der beteiligten Gesprächspartner eine Aufgabe, die vor allem den religiösen Orden zukomme.

Die ekklesiologischen Implikationen dieser Herausforderungen waren schon zu Beginn der Reise in Santa Fé mit den beiden am dortigen Departmento de Sciencia Reiligiosas lehrenden Wissenschaftlern Méndez Montoya und José de Jesús Legorreta Zepeda diskutiert worden. Dabei wurde deutlich, dass alle überlieferten Formen der kirchlichen Vergemeinschaftung sich in enger Interaktion mit den gesellschaftlichen Verhältnissen des jeweiligen Kontextes und den dort gelebten Gemeinschaftsvorstellungen und -praktiken entwickelt haben – und somit durch Zeit immer Wandlungen unterworfen waren. Vor allem im Rahmen einer globalisierten, pluralen Welt wird es entsprechend „nur“ noch kontextgebundene Ekklesiologien im Plural geben. Und das ist gut so... (UE)

 

 

 

 

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